Familie

Schwangerschaft Nr. 2: Wie sich der Nestbautrieb veränderte

Schwangerschaft Nr. 2
Schwangerschaft und Nestbautrieb

Ich befinde mich gerade mitten in der zweiten Schwangerschaft. Naja, eigentlich sogar schon ziemlich am Ende der Schwangerschaft und langsam ist echt Endspurt angesagt. Das merke ich nicht nur am immer größer werdenden Bauchumfang und den zunehmenden Beschwerden, sondern auch am inzwischen gesteigerten Nestbautrieb. So langsam möchte ich doch alles vorbereitet haben, Erstausstattung abhaken etc. Neulich Abend schlief die Große und mein Mann trieb Sport… Also zumindest mental als sechster Mann der Starting Five von den Dallas Mavericks und persönlicher Berater von Dirk Nowitzki. Ihr seht, ich bin inzwischen auch ein kleiner Basketball-NBA-Profi. Aber ich schweife ab…

Während meine Lieben also „beschäftigt“ waren, begann ich, die Babyklamotten der Großen und die von Freunden überlassene Babykleidung zu sichten. Ich wollte sehen was da war, ob noch was fehlte usw. Als ich also so vor mich hinsortierte (unglaublich wieviele Klamotten das waren), kam ich ins Grübeln und fing an, den Nestbautrieb und die Vorbereitung in der ersten Schwangerschaft mit dem der zweiten zu vergleichen. Was war bei Kind 1 anders? Oder was hatte sich von Kind 1 zu Kind 2 verändert?

Mein Nestbautrieb in Schwangerschaft 1:

Ich war voller Euphorie! Alles war unendlich aufregend! Aber ich wusste ja auch ganz genau, wie alles werden sollte. Besorgte jede Menge sinnvolle und sinnlose „Must-Haves“ für Jungeltern und Babies. Es gab nichts, was nicht gebraucht wurde. Das Shoppen machte natürlich auch unheimlich viel Spaß.

Was war ich stolz, als das sorgfältig und mit viel Liebe (zum Detail) ausgesuchte Kinderzimmer stand und endlich eingerichtet war! Alles sah perfekt aus: Das Bettchen, in dem mein Kind natürlich schlafen sollte, mit dem tollen Holzmond-Mobile darüber. Die Wickelkommode gefüllt mit allem, was ein Babypopo begehrt: Feuchttücher (sensitiv), Premiumwindeln in Größe Newborn (extra weich und saugstark), Popocreme (nur natürliche Inhaltsstoffe), Fieberthermometer (mit elastischer Spitze) uvm.

Und dann erst der Kinderzimmerschrank. Randvoll mit den süßesten Babyklamotten in Größe 50 und noch viel mehr in Größe 56 (weil ja 50 eh nicht lange passt…). Im Badezimmer standen die Babywanne mit schwimmendem Thermometer und diverse Babybadeöle (natürlich auch ohne künstliche Inhaltsstoffe) bereit, um Babys‘ Haut zu verwöhnen. Und der Deluxe-Kombi-Kinderwagen mit integriertem Buggyaufsatz und Autobabyschale wartete auf seinen ersten Einsatz. Die Matratze des Stubenwagens war frisch bezogen und der zartgelbe Himmel darüber leuchtete im Wohnzimmer mit meinen Augen um die Wette. Auch die Krankenhaustasche war rechtzeitig gepackt und der Geburtsvorbereitungskurs mit Mann erfolgreich absolviert.

Nur zum Füttern hatte ich nichts vorbereitet, schließlich sollte das Kind ja gestillt werden.

Die Realität nach der Schwangerschaft:

Als die Große dann nach einer Blitzgeburt 4,5 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt kam, konnte ich vorerst nur von einer der akribisch vorbereiteten Sachen profitieren. Nämlich der reichtzeitig gepackten Krankenhaustasche. Naja, zumindest theoretisch. Denn wir kamen aufgrund der rasanten Geschwindigkeit ja gar nicht dazu IRGENDETWAS daraus auszupacken. Immerhin hatte ich hinterher alles, was ich brauchte…

Weil die Große also ein Frühchen war, das zu Beginn noch nicht alleine stillen konnte und wir an einem Sonntag aus dem Krankenhaus entlassen wurden, musste eine liebe Freundin mit Babyfläschchen, Babynahrung etc. aushelfen.

Zudem war sie noch recht klein und zierlich. Da nützte uns also die große Auswahl an Stramplern in Größe 50 (geschweige denn 56) in den ersten Monaten rein gar nichts. Unsere zarte Tochter versank förmlich in jedem Teil. Selbst die (extraweichen) Newbornwindeln waren heillos zu groß und mussten anfangs mindestens einmal umgeschlagen werden.

Baden fand erstmal im Badezimmerwaschbecken statt, weil ich sie in der (scheinbar riesigen) Babybadewanne fast hätte suchen müssen.

Der zwar schöne Stubenwagen knarzte so laut, dass wir bei jeder Bewegung um den Schlaf unserer Tochter bangten. Ja, und das Babybett steht seit 3 Jahren weitestgehend unbenutzt im Kinderzimmer.

Mein Nestbautrieb bei Schwangerschaft 2:

Ihr könnt euch vorstellen, dass meine Planungsbereitschaft aufgrund der bisherigen Erfahrungen diesmal bei der zweiten Schwangerschaft eher verhalten ausfällt, oder eben einfach anders.

Ein Stück weit ergibt sich das beim zweiten Kind sowieso. Besonders, wenn es wieder das gleiche Geschlecht wird. Klamottentechnisch ist dank lieber Freunde und den alten Babysachen der Großen mehr als genug da. Ein (fast) unbenutztes Babybett haben wir bereits (falls wir es denn bei Kind zwei überhaupt brauchen). Und auch die übrige Ausstattung, wie Kinderwagen, Autoschale, Wanne, Wickelkommode etc. Es ist fast ein bisschen langweilig, aber es schont die Nerven und den Geldbeutel und bewahrt vor unnötigen Fehlkäufen.

Natürlich werde ich diesmal allerdings schlauer sein, was die Ausstattung für das Füttern des Babys betrifft, man lernt ja aus seinen Fehlern…

Was ich sonst noch gelernt habe:

Die Vorbereitungen und der Nestbautrieb bei Kind 1 waren sehr ausgeprägt und (vermeintlich) gründlich durchdacht. Sie machten auch unendlich viel Spaß. Aber schon kurz nach der Geburt bemerkte ich, dass die beste Planung schnell von der Realität über den Haufen geworfen werden kann. Dass ich mir als werdende Mama meines ersten Kindes vieles ganz toll ausgemalt habe ist ja auch klar. Ich wollte irgendwie die Lage kontrollieren und wusste einfach noch nicht so genau, was auf mich zukommt. Niemand weiß das.

Kinder sind so unterschiedlich. Die einen kommen zu früh, die anderen erst nach dem Termin. Einige Schlafen buchstäblich wie Babies, die anderen brauchen weniger Schlaf. Manche tun sich mit dem Einschlafen und Beruhigen von Anfang an leicht, andere benötigen dafür ganz viel Nähe von Mama und Papa. Die Einen liegen gern im Kinderwagen, während sich die Anderen im Tragetuch am wohlsten fühlen. Manche schreien den ganzen Tag, andere geben keinen Ton von sich. Die einen wollen Dauerstillen, die anderen sind nach wenigen Zügen an der Brust oder Flasche schon wieder satt.

Ich könnte da jetzt noch so viel mehr aufzählen, aber was ich sagen will ist wohl deutlich geworden:

Je mehr vorher geplant wird, desto mehr schlägt der Zufall zu!

Meine Devise:

Meine Devise für diese Schwangerschaft ist: Keine voreiligen Käufe von Betten, Tragetüchern und anderen „dringend“ benötigten Babysachen. Ich möchte erstmal das Kind kennenlernen, mich auf es einlassen. Seine ganz eigenen Bedürfnisse und Vorlieben kennenlernen. Und die schon von Anfang an vorhandenen individuellen Charakterzüge beobachten. Dann wird die Kleine mir selbst zeigen, was sie braucht. Und dann werde ich ggf. mit entsprechenden Einkäufen, Umräumaktionen o.Ä. darauf reagieren. Ganz individuell und persönlich auf mein Baby zugeschnitten.

Denn nur, weil ich schon ein Kind habe, heißt das jetzt noch lange nicht, dass ich weiß wie der Hase läuft. Auch Geschwister können komplett verschieden sein. Die Zeiten wo ich glaubte zu wissen, wie es mit Baby ist, sind seit der Geburt meiner Großen endgültig vorbei. Ich habe gelernt zu improvisieren, genau hinzusehen und zu hören und die Bedürfnisse meiner Kinder zu deuten und zu stillen. Nur darauf kommt es mir an.

Wer noch etwas zum Schmunzeln lesen will, der sollte mal bei meiner Bloggerkollegin Moni vorbeischauen. Sie schreibt über das „Mamasein – Vorstellung vs. Realität“. Es lohnt sich!

14 Kommentare

  • Sirit

    Hallo! Ja Nestbautrieb ist bei mir schon einige Zeit her, ich erinnere mich aber noch gut. Man muss es nur nicht übertreiben, denn das wichtigste ist dass man nicht gestresst ist und sich freut. Und am Ende ist es auch nicht notwendig 1001 Strampler zu haben. Konsum kann auch echt negativ werden und wir sollten mehr über Minimalismus nachdenken, meine ich. Danke Dir! VG, Sirit

    • Busymamawio

      Da haben wir ja was gemeinsam! Meine große kam nämlich auch 5 Wochen zu früh und da ich das mit der erstausstattung sehr locker genommen habe, war zu dem Zeitpunkt kaum was an Baby Ausstattung da. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich in meinem Wochenbett, das ich aufgrund der Intensivstation nie hatte, noch zu Apotheke gestiefelt bin und Flaschen und Pflegeprodukte gekauft habe.
      Bei der kleinen habe ich zig Listen geführt und alles super durchgeplant. Viele dieser Dinge sind nie wirklich benutzt worden und waren eine reine Geldverschwendung.
      Dennoch wünsche ich dir viel Freude beim einrichten und natürlich eine tolle Geburt.
      Viele Grüße
      Wioleta

  • Mo

    Hey,

    ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe nur ein Kind, würde aber bei einer erneuten Schwangerschaft auch etwas anders machen. Den richten Nestbautrieb hatte ich so nicht. Ganz viel habe ich einfach so auf mich zukommen lassen. Aber das kleine Sofa, das extra für schlaflose Nächte gekauft wurde (damit der Mann seinen Erholungsschlaf bekommt), war im nachhinein völlig überflüssig.

    Liebe Grüße und alles Gute für euch,
    Mo

  • Nadine

    Also erstmal: Herzlichen Glückwunsch! Toll! Und ja, ich hab bei Kind zwei auch nicht dieselben Shoppingfehler wie bei Kind 1 gemacht. Wobei, manche schon, es war ja dieses Mal ein Junge, der gaaaaanz andere Sachen braucht… 😀

    • fraufreigeist

      Haha, ja, das kenne ich. Ich bekomme zwar das zweite Mädchen, aber Kind 1 ist ein Winterkind und Kind 2 wird ein Sommerkind. Da braucht man ja auch sooo viele andere Klamotten etc. 😉

  • Carina

    Ich habe ja selbst keine Kinder, konnte aber den Nestbautrieb bei meiner besten Freundin zwei Mal mitverfolgen und habe damit auch die unterschiedlichen Ausprägungen kennen lernen können. Einiges habe ich in deinem Beitrag wiedergefunden.
    LG
    Carina

  • Carry

    Da ich noch keine eigenen Kinder habe kann ich zwar nicht mitreden, aber dennoch kann ich verstehen wie das sein muss. Wenn man etwas zum zweiten Mal (durch) macht hat man einfach schon zuvor Erfahrungen sammeln können die nun helfen. Ich wünsche dir eine schöne restliche Kugelzeit 🙂

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